Asbesthaltige Leichtbauplatten ALP, Pappe / Karton / LAP
Vorläufige Version. Zur Vernehmlassung freigegeben

Asbesthaltige Leichtbauplatten (ALP, früher auch leichte asbesthaltige Platten (LAP) oder Pical-Platten genannt) und asbesthaltige Pappen bzw. Kartons wurden sehr häufig als Brandschutz verwendet. Man findet sie bei Elektro-Installationen (Tableaux, Steckdosen, Leuchtstoffröhren u.Ä.), als Wärme-Isolation hinter und über Heizungen unter Fensterbänken sowie als Isolation oder Brandschutz von Stahl-Konstruktionen, Öfen, Kamindurchführungen, in Steigzonen, an Kanälen usw..

Von der Konsistenz her können solche Kartons/Leichtbauplatten sehr weich (wie richtiger Karton) oder eher hart sein. Sie sind aber immer weicher als Faserzement (zum Testen: Wenn man mit einem Kugelschreiber einen Abdruck machen kann, handelt es sich um eine Leichtbauplatte, ansonsten um eine Faserzement-Platte).

Findet sich eine solche Platte unter einer Elektroinstallation, enthält sie praktisch immer Asbest.

Kartons und Leichtbauplatten enthalten in der Regel 40% oder mehr Asbest (Chrysotil und/oder Amosit).

Normale Nutzung

Bindungsart Asbest: Schwach gebunden.

Bei der Dringlichkeitsbeurteilung gemäss FACH kommt man bei Asbest-Pappen, Kartons und Leichtbauplatten auf eine hohe Sanierungsdringlichkeit (Stufe 1 oder 2). In häufig genutzten Räumen müssen solche Materialien kurzfristig saniert (entfernt oder luftdicht abgedeckt) werden.

Umbau / Rückbau

Die Suva geht davon aus, dass kleinere Arbeiten (z.B. Öffnen eines Tableaux) bereits zu einer Faserfreisetzung von über 1000 LAF/m3 führen (auch wegen Bohrstaub hinter Elektro-Tableaux). Bei der ungeschützten Demontage befindet man sich im roten Bereich.

Da solche Kartons praktisch immer Asbest enthalten, kann bei kleineren Mengen auf ein Beproben verzichtet und das Material als „asbesthaltig nach Meinung des Diagnostikers“ eingestuft werden. Bei grösseren Mengen sind Proben zu analysieren.

Ist eine Elektro-Installation (Elektro-Tableaux, Steckdosen oder Halterungen von Leuchtstoffröhren) auf Holz montiert, ist es wahrscheinlich, dass ein Brandschutz in Form einer hinterlegten ALP eingebaut wurde. Dies muss geprüft werden.

WICHTIG: Ist ohne Demontage/Öffnen einer Elektro-Installation (z.B. ein Elektro-Tableau) nicht ersichtlich, ob ein Brandschutz eingebaut wurde oder nicht, darf der Diagnostiker aus Gründen der Arbeitssicherheit diese Installation nicht selber aufschrauben / demontieren. Solche Installationen sind als Verdachtsfälle in den Bericht aufzunehmen und erst zu untersuchen, wenn ein Elektriker die Anlage spannungsfrei geschaltet und gesichert hat.

Die Suva unterscheidet folgende Arbeiten:

Elektroverteilkästen / Schaltgerätekombination (SGK)

(Schaltgerätekombinationen werden umgangssprachlich als "Elektro-Tableau" bezeichnet)

  • Kleinere Arbeiten: ORANGER BEREICH (gemäss Suva-Merkblatt 84059 oder Suva-VSEI Publikation)
    • Öffnen der SGK
    • Auswechseln von Drähten, Zähler, Empfänger, Schütz- und Sicherungselementen, Leitungsschutzschaltern und dergleichen
  • Demontage von SGK mit einer LAP kleiner als 0.5 m2: ROTER BEREICH: Sanierungsfirma oder Elektriker, welche die Suva-/VSEI-Asbest-Ausbildung "Asbest" absolviert haben (gemäss Suva-VSEI Publikation). Vorgehen gemäss EKAS-Richtlinie 6503, Art. 7,6 resp. Suva Factsheet 33036).
  • Mehr als 0.5 m2: Sanierungsfirma gemäss EKAS 6503, Kap. 7. In der Praxis wird manchmal auf eine Einhausung verzichtet, hingegen wird eine Luftmessung durchgeführt, um die Sauberkeit der Räumlichkeiten nach der Entfernung zu garantieren. Dieses Vorgehen muss aber von der Suva validiert werden.
  • In allen Fällen: Vor dem Entfernen durch einen Sanierer muss das Tableau von einem Elektriker abgehängt werden. Bevor Kabel durchtrennt werden, unbedingt prüfen, ob das Element spannungsfrei ist.

 

Kartons/Leichtbauplatten unter FL-Armatur / Halterung Neonröhre:Kleinere Arbeiten: ORANGER BEREICH (gemäss Suva-Merkblatt 84043):

  • eine einzelne FL-Armatur oder ein einzelnes Einlasskästchen demontieren
  • in FL-Armatur eingelegte Brandschutzunterlage entfernen
  • Weniger als 0.5 m2: ROTER BEREICH: Sanierungsfirma. Vorgehen gemäss EKAS-Richtlinie 6503, Art. 7,6 resp. Suva Factsheet 33036).
  • Mehr als 0.5 m2: ROTER BEREICH. Siehe oben.

Leichtbauplatten auf Heizungstüren, Elektro-Installationen, etc.

  • Entfernen (Austausch) einer einzelnen Türe, die mit einer intakten, nicht verletzten asbesthaltigen Leichtbauplatte belegt ist: Oranger Bereich gemäss Suva Merkblatt 84043.
  • Alle andern Arbeiten: Siehe oben.

Deponie Typ E.

Allgemeine Bemerkung: In der Westschweiz gilt die interkantonale Vollzugshilfe «Entsorgung von asbesthaltigen Abfällen» vom Dezember 2016. Für die Deutschschweiz und das Tessin existiert zum jetzigen Zeitpunkt keine vergleichbare Vollzugshilfe. Das BAFU erarbeitet zur Zeit entsprechende Vorgaben (Vollzugshilfe «Entsorgung asbesthaltiger Abfälle» zur VVEA). Sobald diese Angaben des BAFU vorliegen, werden diese in Polludoc integriert. Bis dahin sind die in der Deutschschweiz in der Praxis gängigen Entsorgungswege und -vorgehen auf Polludoc aufgeführt (keine Berücksichtigung von kantonalen Spezialanforderungen ausser für die Kantone der Romandie). Zudem sind bzgl. Entsorgung auch die Suva-Factsheets 33063 und 33064 zu berücksichtigen. Die Angaben hier sind daher mit Vorsicht zu geniessen.

Vor dem Entfernen durch einen Sanierer muss das Tableau von einem Elektriker abgehängt werden. Bevor Kabel durchtrennt werden, unbedingt prüfen, ob das Element spannungsfrei ist.

 

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