Faserzemente / Asbestzemente
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Ein Grossteil des in der Schweiz verbauten Asbests kam in Form von Faserzement zur Anwendung (Wellplatten, Schindeln, Rohre, Platten, Brunnentröge, etc).

Ältere Elemente aus Faserzement  enthalten systematisch Asbest. Gemäss Angaben der Eternit wurde bereits 1978 mit der Umstellung auf asbestfreie Materialien begonnen. 1984 enthielt noch die Hälfte der von der Eternit AG produzierten Elemente Asbest. In speziellen Anwendungen (siehe unten) wurde Asbest noch bis 1995 verwendet. Ausserdem kann auch nach 1995 nicht ausgeschlossen werden, dass asbesthaltiger Faserzement aus alten Beständen zur Anwendung kamen.

Asbestfreie Faserzement-Produkte gemäss Angaben der Firma Eternit:

  • ab Dez 1980: Blumenkisten
  • ab Jan 1982 Unterdach (GEA)
  • ab April 1983 Fassa­denschiefer
  • ab Aug 1983 handgeformte Gartenartikel
  • ab Dez 1983 Kurzwell­platte Structa
  • ab Mai 1984 Lüftungskanäle
  • ab Nov. 1984 Dach­schiefer
  • ab Jan 1987 Kabelträger
  • ab Dez 1989 Grossformatige Fassadenplatten Pelicolor / Swisspearl
  • ab Mai 1990 Wellplatten Ondapress und Ondacolor
  • ab 1991 alle Rohre < 150 mm Durch­messer
  • ab 1995 alle Rohre (auch Tiefbau)

Normale Nutzung

Bindungsart Asbest: Fest gebunden (im unbeschädigtem Zustand)

Im Freien und in selten genutzten Räumen (Keller, Dachboden, ...): Keine Gesundheitsgefährdung.

In Innenräumen, intakt: Keine Gesundheitsgefährdung

In Innenräumen, beschädigt: Bei beschädigten Elementen aus Faserzement in Innenräumen kann eine Faserfreisetzung und somit eine geringe bis mittlere Gefährdung der Gesundheit nicht ausgeschlossen werden. Sofortmassnahmen können notwendig sein (Reinigung mit Staubsauger mit H-Filter). Weniger beschädigte Materialien können temporär abgeklebt/überdeckt und innert einer gewissen Zeit (in der Praxis meist innert Jahresfrist) entfernt werden.

Umbau / Rückbau

Mittleres Gefahrenpotential (oranger Bereich) wenn Elemente ohne Sägen oder Brechen entfernt werden können.

Hohe Gefährdung, wenn ein Sägen, Brechen oder Bohren nicht verhindert werden kann.

Vorkommen aus dem entsprechenden Zeitraum können standardmässig als asbesthaltig betrachtet werden (vgl. Zeitangaben gemäss Eternit).

Bei grossflächigen Anwendungen lohnt sich eine Beprobung insbesondere in der Übergangsfrist (ca. 1982 bis 1995). Dabei sollte auf die Verhältnismässigkeit geachtet werden: Es lohnt sich in der Regel finanziell nicht, ein Elektrotableau aus Faserzement zu beproben (wird standardmässig als asbesthaltig betrachtet). Wenn es sich hingegen um ein ganzes Dach handelt, sind die Kosteneinsparungen erheblich wenn KEIN Asbest vorhanden ist.

Es ist darauf zu achten, dass die ursprünglichen Materialien und nicht neue, möglicherweise ersetzte Materialien beprobt werden.

Beproben

Da Faserzemente in der Regel sehr homogen sind und eine geringe Gefährdung darstellen, reicht in der Regel eine einzelne Probe, selbst bei grösseren Mengen. Die Probe sollte mindestens 10g Faserzement enthalten. 

Im Freien: Schutzmassnahmen gemäss SUVA Factsheet 33031.

Im Innern (Rohre, Kanäle, Platten etc):

  • Bei zerstörungsfreiem Demontieren: Massnahmen gemäss Suva Merkblatt 84053 (oranger Bereich)

  • Entfernen mit mechanischem Bearbeiten (Sägen, Fräsen, Brechen, ...): Vorgehen gemäss EKAS 6503, mit Suva-anerkannter Sanierungsfirma. Ausnahme: Brechen einzelner Teile, Massnahmen gemäss Suva-Merkblatt 84053 (oranger Bereich).

Seit 2016 erlaubt die SUVA einen Rückbau von Faserzement mit dem Bagger (SUVA-Publikation 88288). Dieses Vorgehen benötigt aber ebenfalls die Bewilligung der kantonalen resp. kommunalen Behörden. Insbesondere die Frage des Nachbarschaftsschutzes und der Behandlung des beim Rückbau eingesetzten Wassers ist zur Zeit ungeklärt.

Bruchstücke und ganze Elemente: Deponie Typ B gemäss SUVA Factsheet 33064.

Staub: Deponie Typ E gemäss SUVA Factsheet 33065.

In obigen Factsheets wird bzgl. der Verpackung auf die Bestimmungen der jeweiligen Deponie verwiesen. Die Vorgaben zur Verpackung/Transport variieren von Kanton zu Kanton, bzw. von Deponie zu Deponie::

Allgemeine Bemerkung: In der Westschweiz gilt die interkantonale Vollzugshilfe «Entsorgung von asbesthaltigen Abfällen» vom Dezember 2016. Für die Deutschschweiz und das Tessin existiert zum jetzigen Zeitpunkt keine vergleichbare Vollzugshilfe. Das BAFU erarbeitet zur Zeit entsprechende Vorgaben (Vollzugshilfe «Entsorgung asbesthaltiger Abfälle» zur VVEA). Sobald diese Angaben des BAFU vorliegen, werden diese in Polludoc integriert. Bis dahin sind die in der Deutschschweiz in der Praxis gängigen Entsorgungswege und -vorgehen auf Polludoc aufgeführt (keine Berücksichtigung von kantonalen Spezialanforderungen ausser für die Kantone der Romandie). Die Angaben hier sind daher mit Vorsicht zu geniessen.

Elektrotableau: Bestehen oft aus Faserzement. Oft findet sich unter dem Holzrahmen von Elektrotableau als Brandschutzisolation eine schwachgebundene Platte (Asbest-Karton). In diesem Fall müssen die Arbeiten bei weniger als 0,5 m2 gemäss SUVA Factsheet 33036 und bei mehr als 0,5 m2 gemäss EKAS 6503, Kap. 7.4 von einer von der Suva anerkannten Sanierungsfirma ausgeführt werden.

Photos
Suva-Referenzen

Im Freien: 33031.

Im Innern: 84053

Rückbau mit dem Bagger: 88288

Entsorgung

Ganze Elemente: Deponie Typ B, VeVA-Nummer: 17 06 98

Staub: Deponie E, VeVA-Nummer: 17 06 05 [S]

Verpackung: Mit Kanton abklären. Ausnahme: Französische Schweiz

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